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Ein Vorwort aus dem Teil 2 "Bilanz einer Aufgabe"

Hermann Brunner-Schwer ist 1988 gestorben. Seine autobiographischen Aufzeichnungen lagen nur in einer Rohfassung vor, zu einer intensiven Überarbeitung ist er nicht mehr gekommen. Daher konnte das Buch nicht so erscheinen, wie der Autor sich das vorgestellt hat: Als ein Stück exemplarischer Wirtschaftsgeschichte, dargestellt am Aufstieg und Niedergang eines Familienunternehmens mit Weltrang, gesehen aus der teils sehr privaten Perspektive eines Firmen-Erben.
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Zum Verstehen hier eine Auflistung einiger Familienmitglieder aus der Sicht von Hermann Brunner-Schwer:
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  • Ur-Ur-Opa - Joseph Bendikt Schwer (Uhrenfabrik 1835)
  • Ur-Opa - August Schwer
  • Opa - Hermann Schwer (Jan. 1877 Triberg - verstorben 1936 (mit 59)
  • Oma - Johanna Schwer (1874 - verstorben Oktober 1943 (mit 69))
  • Onkels und Tanten ?? Schwager der Mutter ? In Triberg lebte eine Tante Paula
  • Mutter - Margarethe Schwer
  • Vater - Hugo Friedrich [Fritz] Brunner, aus Nürnberg, - Musiker (Violinist) und "Künstler" - später Musikdirektor in Villingen
  • Stiefvater - Ernst Scherb, Oberstaffelführer und Wehrmnachts Offizier
  • Technikchef - Obering. Josef Fricker - techn. Leiter bei SABA, dann ab 1936 Geschäftsführer
  • Bruder - Hans Georg Brunner-Schwer (in Kurzform Hansjörg - 1927-2004)
  • Schwägerin - Marlies Brunner-Schwer

  • Herman Brunner-Schwer (Okt. 1929 - 1988)
  • 1956 - Tochter Karin
  • 1958 - Sohn Christof
  • 1960 - Tochter Christiane
  • 1964 - Tochter Barbara

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Villingen, meine Stadt

Villingen, die Stadt, in der ich geboren wurde und aufgewachsen bin, war in der Zeit nach dem 1. Weltkrieg ein Ort mit etwa 15.ooo Einwohnern. Am südöstlichen Rand des Schwarzwalds gelegen, bot die Stadt eine eher bürgerliche Idylle. Obwohl die am Stadtrand angesiedelte Industrie das einheimische Wirtschaftsleben zu prägen begann, wurde das Leben und Denken durch ein über eine lange Tradition gewachsenes Bürgertum beherrscht.

Opa Hermann Schwer übernimmt von Uropa August Schwer

An der sich zwischen den beiden Weltkriegen entwickelnden Industrialisierung Villingens und einer damit verbundenen sozialen Umschichtung seiner Bevölkerung hatte Hermann Schwer, mein Großvater mütterlicherseits, einen maßgebenden Anteil. 1905 hatte er im Alter von 27 Jahren den Betrieb seines Vaters in Triberg übernommen. Die kleine Uhrenfabrik beschäftigte damals etwa 20 Mitarbeiter und konnte sich angesichts einer allgemein schlechten Absatzlage nur mit Mühe über Wasser halten.

1914 - Nur wenige Tage vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs zerstörte ein Brand Fabrikgebäude, Maschinen und Anlagen. Hermann Schwer wurde Soldat. Drei Jahre lang lag das Unternehmen brach, bis es endlich gelang, sich mit der Versicherungsgesellschaft über eine ausreichende Regulierung des Feuerschadens zu einigen.

1917 - Die Genehmigung zum Wiederaufbau der Fabrik

1917 - Die Genehmigung zum Wiederaufbau der Fabrik verknüpften die Behörden mit der Auflage, die Fertigung in die Kriegswirtschaft zu integrieren. Man stellte meinen Großvater vom Wehrdienst frei und beauftragte ihn, die Produktion von Munitionsbestandteilen so schnell wie möglich in Gang zu setzen. Doch nach Kriegsende stellte sich erneut die Frage, wie und mit welchen Artikeln das Unternehmen am Leben erhalten werden konnte.

1918 - Umzug von Triberg nach Villingen

Hermann Schwer hoffte auf den großen Nachholbedarf an Gütern aller Art in den ersten Nachkriegsjahren. Er wollte sich an dem zu erwartenden Geschäft mit einem Sortiment feinmechanischer Erzeugnisse beteiligen. Man war skeptisch, als er im Jahr 1918 die Fabrikation in das benachbarte Villingen verlegte. Hier versprach er sich größere Chancen für einen Neuanfang als in der Enge seiner von Schwarzwaldbergen umgebenen Triberger Heimat.

Die alte Waldmühle in Villingen

Er erwarb eine alte Mühle, die zu einem Ferien- und Landgasthaus umgebaut worden war und während des Krieges als Lazarett gedient hatte. Im Preis inbegriffen war viel unbebautes Land, auf dem Hermann Schwer seine Vision von einem modernen Industriewerk verwirklichen wollte. Doch zunächst mußte er sich mit dem vorhandenen Provisorium und einigen ausgedienten Militärbaracken begnügen.

Die Hoffnung des jungen Unternehmers sinkt

1920 - Aber die Hoffnung auf den wirtschaftlichen Aufschwung erfüllte sich nicht. Zwar entwickelte sich der Verkauf von Fahrradglocken, Briefwaagen, Rasierapparaten und ähnlichen Metallwaren anfangs noch ganz gut. Doch bald schon wurde auch Hermann Schwer und seine „Schwarzwälder Apparatebauanstalt" vom Sog des wirtschaftlichen Niederganges erfaßt. Am Ende des Ersten Weltkriegs stand das Deutsche Reich am Rande des Ruins.

Die Käufer blieben aus - erste Entlassungen

Hermann Schwers unternehmerische Ambitionen stießen gegen eine Mauer schier unüberwindlicher Probleme. Seine Erzeugnisse fanden keine Käufer mehr. Er war gezwungen, die Produktion drastisch zu drosseln. Mitarbeiter mußten entlassen werden. Finanzlücken entstanden, die Bank lehnte weitere Kredite ab. Doch damit nicht genug. Ein Beauftragter dieser Bank bezog Stellung in der Fabrik. Alle geschäftlichen, aber auch die privaten Ausgaben mußten von ihm genehmigt werden. Selbst meine Großmutter hatte ihr Haushaltsbuch wöchentlich vorzulegen.

Neue Finanzpartner - notgedrungen

In seiner Not trat Hermann Schwer die Hälfte der Gesellschaftsanteile an zwei private Geldgeber ab. Unablässig hielt er Ausschau nach Artikeln mit besseren Absatzchancen, nach neuen, noch am Anfang ihrer Entwicklung stehenden Techniken. Eine schwachstromtechnische Abteilung wurde angegliedert und mit der Fabrikation von Transformatoren und Magnetspannfuttern begonnen.

Der Funke kam in Zürich - das Radio

Den entscheidenden Impuls aber erhielt mein Großvater, als er während einer Geschäftsreise in Zürich erste Bekanntschaft mit dem Radio machte, das damals noch in den Kinderschuhen steckte. Über Kopfhörer eines der ersten Detektorgeräte hörte er eine Musiksendung, die vom Pariser Eiffelturm ausgestrahlt wurde. Obwohl der Empfang noch sehr schlecht war und eher akustisch eine Qual, war Hermann Schwer zutiefst beeindruckt und zögerte keinen Augenblick. Das Radio war das Produkt der Zukunft! Mit ihm würde er sein Ziel erreichen, ein erfolgreicher Unternehmer zu werden.

Hermann Schwer und seine verrückte Idee

Der Optimismus meines Großvaters stieß zunächst auf große Skepsis. Man bezeichnete seine Idee mit dem Radio als schlichtweg verrückt und prophezeite ihm den endgültigen Ruin. Doch Hermann Schwer setzte sich über alle Widerstände hinweg. Es gelang ihm, Fachleute zu finden, mit deren Hilfe er die ersten Schritte wagte. Er begann mit der Herstellung von Einzelteilen wie Kopfhörern, Drehkondensatoren, Spulen und Widerständen, die vorwiegend an Radiobastler verkauft werden konnten.

Noch eine "Innovation", der Markenname SABA

In dieser Phase entstand auch der Markenname SABA. Für die Werbung waren die vier Worte „Schwarzwälder Apparatebauanstalt" zuwenig einprägsam. Also kürzte man ab und beschränkte sich auf die Anfangsbuchstaben, simpel, aber werbewirksam.

Das Kartell in Berlin blockierte alle Bemühungen

Noch aber konnte SABA keine fertigen Radiogeräte anbieten. Dafür wäre eine Lizenz des Verbandes der Rundfunkindustrie erforderlich gewesen. Um trotzdem einen Schritt weiter voranzukommen, entwickelte man bei SABA Radiobaukästen, aus denen Bastler ihre eigenen Apparate zusammensetzen konnten. Hermann Schwer aber ließ nicht locker. Immer wieder reiste er nach Berlin und verhandelte mit der Verbandsspitze so lange und beharrlich, bis man sich schließlich erweichen ließ. 1924 erhielt SABA die Lizenz zum Bau kompletter Radiogeräte.

Anmerkung: Telefunken hatte das Patent für die Verstärker-Röhre (und deren Benutzung) und hatte die Lizenzen anfänglich nach Gutsherrenart an einige "kooperationswillige" Radio-Fabriken vergeben. Was da an Korruption im Spiel war, ist ungeklärt, jedoch schlossen sich die großen Hersteller irgendwann notgedrungen zusammen und handelten mit Telefunken eine Verbands-Lizenz aus, die der Verband dann weiter (unter-) vergab. (Quelle Gerhart Goebel - der Rundfunk bis 1945)

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1924 - SABA, also H-Schwer, wird ins Kartell aufgenommen

1924 - Endlich war der Weg frei. SABA hatte Zugang zu einem Geschäft, das selbst im krisengeschüttelten Deutschland zu blühen begann. Jeder sprach vom Radio als einer der größten technischen Sensationen. Und jeder wollte an diesem Wunder teilnehmen. Selbst wenn auf andere, lebenswichtigere Dinge verzichtet werden mußte.

Noch eine Idee = „Schwarzwälder Wertarbeit"

SABA machte sich schon bald einen guten Namen. Die Apparate erwiesen sich als besonders zuverlässig. Man warb mit der „Schwarzwälder Wertarbeit" und das zu Recht. Mit Eugen Leuthold, einem jungen und hochbegabten Diplom-Ingenieur aus der Schweiz, tat Hermann Schwer einen Glücksgriff. Leuthold entwickelte einen Apparat, der die Typenbezeichnung "S35" trug und auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1931 zu einem so großen Verkaufserfolg wurde, daß man ihm den Beinamen „Sieger" verlieh. Bis Jahresende 1931 wurden über hunderttausend dieser Geräte gefertigt und verkauft.

Der Schweizer Eugen Leuthold war ein Glücksgriff.

Leuthold verwirklichte bei der Type "S35" zum erstem Mal ein völlig neuartiges Schaltkonzept. Es beruhte auf einem rückgekoppelten Anodengleichrichter mit Kathodengegenkoppelung. Die Vorteile dieser Erfindung führten in Verbindung mit einem ebenfalls zum ersten Mal verwendeten dynamischen Lautsprechersystem zu einer Trennschärfe und Wiedergabequalität, die von der Konkurrenz auch nicht annähernd erreicht wurde.

Schon Jahre später verließ das erste Netzsuperhet mit automatischer Lautstärkenregelung das Werk. Auch diese Neuheit erwies sich als glänzender Verkaufserfolg. Dann machte sich Leuthold an die Entwicklung eines Rundfunkgerätes mit Sendersuchlauf und automatischer Scharfabstimmung auf allen Wellenbereichen. Dies ermöglichte ein völlig neu konzipierter Steuermotor. Eine Weltneuheit, die SABA einen weiteren Vorsprung vor der Konkurrenz sichern sollte.

Ein unbändiger Geschäftssinn zahlte sich aus

Mein Großvater war ununterbrochen auf Reisen. Er baute ein umfassendes Netz von Vertretern und Händlern auf, organisierte einen mobilen Servicedienst und sorgte für Umsatz. SABA florierte aber schon vor dem „Sieger" so gut, daß bereits 1929 die Mitgesellschafter ausbezahlt und neue Werksanlagen errichtet werden konnten. SABA befand sich auf dem Weg zu einem maßgebenden Unternehmen der deutschen Rundfunkindustrie. Hermann Schwers Vision hatte sich erfüllt.

SABA im tiefen Scharzwald war eine Ausnahme

Das schnelle Wachstum der Rundfunkbranche spiegelte allerdings in keiner Weise die Lage der deutschen Wirtschaft in jenen Jahren wieder. Der Erholungsprozeß ging nur mühsam voran, und noch immer war die Mehrzahl der Menschen von Arbeitslosigkeit, Armut und Not betroffen.

Die Zeit der Kommunisten und Nazis reifte unaufhaltsam

Auch in meiner Heimat herrschte anfangs der 30er Jahre das Elend. Versiegende Steuereinnahmen, - vor allem aber Fürsorgeleistungen für nahezu ein Viertel der Villinger Bevölkerung - stellten die Stadtväter vor schier unlösbare Probleme. Man griff zu rigorosen Sparmaßnahmen, entließ städtische Bedienstete oder kürzte Beamtengehälter. Maßnahmen zur Modernisierung der veralteten Infrastruktur fielen genauso dem Rotstift zum Opfer wie die dringende Renovierung städtischer Gebäude. Die Villinger Faßnacht, ein in dieser Stadt seit Jahrhunderten liebevoll gepflegtes allemannisches Brauchtum und eigentlicher Höhepunkt des Jahres, wurde auf bessere Zeiten vertagt. Statt der malerischen Narros zogen Kommunisten und Nazis durch die Straßen der alten Stadt. Ihre Kampfparolen schürten die ohnehin immer größer werdende Abneigung gegen diese Republik.

Wir bleiben bei der Firma und demzeitgeist der 1930er Jahre ......

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